Montag, 26. Februar 2018

Rauchmelder

Eine Alptraumnacht liegt hinter mir. Erstmal das Hinlegen, was mühsam war, weil von heftigem Schmerz begleitet. Dann konnte ich mich nur unter großen Anstrengungen drehen, d.h. statt zu schlafen war ich die meiste Zeit damit beschäftigt, mich millimeterweise umzuschichten, um in meine verschiedenen Schlafpositionen zu kommen.
Und dann, gegen halb 2, schrillte der Rauchmelder. Draußen tobte ein Sturm, aber ein Feuer hatte ich nicht im Haus. Er schrillte vier, fünf Mal, dann gab er ein paar Minuten Ruhe, dann schrillte er wieder. Er hörte nicht auf damit. Ich musste etwas tun, es dauerte einige Zeit, bis ich mich unendlich langsam von meinen Bettdecken befreit und aus dem Bett gerollt hatte, denn aufrichten kann ich mich nicht. Ich zerrte einen Stuhl unter den Rauchmelder, hob den Deckel ab, was er mit schrillem Kreischen begleitete: leider keine Batterien, er hing am Stromnetz. Ich verfolgte die Schnur bis zum Stromkasten und stand vor dem nächsten Problem: dort war das Kabel festgeschraubt. Schraubenzieher. Draußen Sturm und draußen – im Schuppen – der Schraubenzieher. Dann fiel mir mein Taschenmesser ein, wo ja auch zwei dran sind. Ich humpelte langsam nach unten, das  höhnische Schrillen verfolgte mich mit stupider Sinnlosigkeit. Ich fand zum Glück gleich das Messer, es lag schön auf dem Tisch, so dass ich mich nicht bücken musste und als ich wieder oben war, versuchte ich, die Schraube zu drehen. Es war zu dunkel! Ich konnte, trotz Brille und vollem Licht, kaum etwas sehen. Ich hockte in einem sehr fragilen Zustand vor dem Stromkasten und stocherte hilflos mit meinem Messer in Richtung Schraube. Schließlich sah ich, dass die Kleider an der Kleiderstange über mir sich vor das Licht geschoben hatten. Als ich sie wegschob, konnte ich etwas sehen und die Schraube drehen und der Rauchmelder erstarb.

Das Erwachen morgens war schlimm – die Nacht hatte keine Besserung gebracht, im Gegenteil, das Liegen verstärkte scheinbar die Verspannungen, jedenfalls war es ein schwerer Kampf, mich in die Vertikale zu bringen. Es dauerte ewig. Immer wieder versuchte ich eine Bewegung, aber es tat einfach zu weh. Ich überlegte und überlegte. Die Knie anziehen? Auf die Seite rollen? Wie kriege ich den Arm unter mir weg? Nach vielen Mühe und Schmerzensschlägen war ich endlich draußen, aus dem Bett. Dann blieb ich in Bewegung: machte den Ofen sauber, brachte die Asche raus, machte Feuer, räumte Geschirr weg usw. Nach dem Frühstück stieg ich hundert Mal die steile Stufe zum Bad rauf und runter. Dann legte ich mich flach auf den Boden und übte mich in taoistischer Gelassenheit. Schließlich kam ich auf die Idee, ein Aspirin zu nehmen.  Nachher will ich mal den Berg hochwandern, vielleicht hilft das.

In meinen Wu-Wei-Buch (Tao) fand ich eine schöne Beschreibung der Menschen des Tao von  Dschuang Dsi:
„Sie sind aufrecht und gerecht, ohne zu wissen, daß solches Tun Rechtschaffenheit darstellt. Sie lieben einander, ohne zu wissen, daß solches Güte ist. Sie sind ehrlich und wissen doch nicht, daß solches Treue ist. Sie halten ihre Versprechen, ohne zu wissen, daß sie damit in Glaube und Vertrauen leben. Sie stehen einander bei, ohne daran zu denken, Geschenke zu geben oder zu empfangen. So hinterläßt ihr Handeln keine Spur.“
Am Abend:
Der Gang den Berg hoch war gut. Es war total schön dort oben, ich ging ganz langsam mit vielen Pausen, denn es geht steil hoch und runter.
Die Bäume dort haben ein so starken Überlebenswillen, es ist grandios. In ihrem Leben werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrmals von Bränden heimgesucht und sie versuchen, so lange es geht, die Wunde zu schließen, die das Feuer in sie reinfrißt. Und dann stehen sie teilweise nur noch auf der Außenseite, der Rinde, ihres Stammes und wachsen und wachsen. Drehen sich rechtwinklig, um das Gleichgewicht zu halten. Verlieren gewaltige Äste und immer noch bilden sie neue. Brüggemann schreibt über Bäume in Tasmanien:
Tasmanien ist nach der Westküste Nordamerikas der Platz mit den höchsten Bäumen der Erde. Doch hier recken sich nicht Koniferen, sondern Eukalyptusbäume in die Höhe. König der Eukalypten und damit höchster Laubbaum und Blütenpflanze der Erde ist der Swamp Gump, das derzeit höchste bekannte Exemplar erreicht eine Höhe von 99,6 Metern. Der baum hat ein Potenzial für Höhen jenseits der 100-Meter-Marke; alte Messungen von Riesen bis über 130 Metern sind jedoch stark umstritten.





















Mein Kompostklo.
Oben auf dem Berg dann die wunderbare weite Sicht rüber zum tasmanischen Festland, bzw. den vorgelagerten Inseln – als ich mich dort auf einen Baum setzte, da war ich praktisch schon schmerzfrei. Dieser Anblick ist einfach unglaublich heilsam. Ich ging weiter zu der Hütte und überlegte, ob ich hier leben könnte, aber es ist schon sehr abgeschieden.
Als ich wieder zu Hause war nahm ich ein heißes Bad und jetzt geht es einigermaßen mit dem Rücken.

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