Dienstag, 27. Februar 2018

Tunnel

Die Nächte sind hart – immer, wenn ich mich umdrehen will, halten mich die Schmerzen in Unbeweglichkeit. Morgens ist es am schlimmsten, da weiß ich ewig nicht, wie ich hochkommen soll, ich muss mich quasi rausschrauben aus dem Bett, anders geht es nicht.
Ich war frustriert, dass es sich nicht bessert und beschloss, nochmal ausgiebig auf einen Walk zu gehen. Der Walk zum Cape Raoul teilt sich ja, in der anderen Richtung hat man dann zwei andere schöne Stellen: Tunnel Bay und Shipstern Bluff, das nahm ich mir für heute vor.
Es ist einfach eine wunderbare Landschaft und das nur dreißig Minuten von meiner Haustür entfernt.
Coole Bank.






Zick-Zack-Kurve.







Auf dem Parkplatz standen nur ganz wenig Autos. Ich nutzte die Gelegenheit, meine Rückkehr vom Cape-Raoul-Walk einzutragen, so dass die Suchtrupps nun wieder heim können.
Der Wald hatte sofort eine wohltuende Wirkung auf mich, das Gehen fiel mir überhaupt nicht schwer. Die Strecke rüber zum Tunnel Bay war wunderbar. Eine zeitlang ging es ziemlich steil runter, in engem Zick-Zack, wofür ich dann ja auf dem Rückweg würde büßen müssen, weshalb es mir etwas mulmig wurde. Aber sie haben den Weg so wunderbar angelegt, mit diesen künstlerischen Bänken oder mit Stufen aus Natursteinen, die so liebevoll gestaltet sind, als sollten sie einen über die Mühen des Aufstiegs trösten und entschädigen.
Dann gab es wunderbare Ausblicke, nicht nur über die Küste und die Inseln, sondern auch über die grün bewaldeten Berge rundherum. Hier bei mir gegenüber ist der Wald ja heftig von Wind und Trockenheit mitgenommen, überall sieht man die dürren, kahlgefegten toten Äste herausragen, dort war alles dicht und grün – üppig.


















Anfangs begegnet mir noch einige Wanderer – immer Paare, genau wie das letzte Mal – aber dann war ich zwei, drei Stunden ganz allein unterwegs. Kam auf einen schmalen, sehr steilen Sandpfad und landete unten an einer Geröllküste, mit diesem großen Tunnel darin. Schön und gruselig und rau. In seinem Schatten nahm ich mein Mittagessen ein und machte mich dann auf den Rückweg. Der war zwar hart, aber nicht so schlimm, wie ich es mir ausgemalt hatte. Ich machte Atempausen und kam relativ bald zur Abzweigung nach Shipstern Bluff, was ein Surferstrand ist, weil es da riesige Wellen geben kann. Die schleppen dann ihre Boards da runter und wieder hoch. Echte Surfer tun das. Ich war unschlüssig, ob ich ganz runter sollte. Stand schließlich an einem Aussichtspunkt, wo eine steile und sehr lange Treppe nach unten begann. Der Strand – Geröll, Wellen – sah nach nichts Besonderem aus, ich war ja vom Roaring Beach verwöhnt. Leider konnte ich von dort nicht sehen, dass die Attraktion um die Ecke war: ein Felsplatte, die bei Ebbe freiliegt und ein großes Plateau bildet, an das furios und dramatisch die Wellen schlagen. Das sah ich erst, als ich wieder oben auf dem Berg war und nochmal runterschaute. Vielleicht gehe ich da doch noch mal hin.
Ich sah den Hubschrauber in Aktion, wie er Material für die Bearbeitung des Tracks brachte. Den Aussichtspunkt mit drei Bänken hatte ich ganz für mich und aß nochmal was. Dann ging es wieder durch den Wald. Das Steigen tat meinem Rücken gut, merkte ich und auch die Zick-Zack-Strecke war nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte.

Treppe zum Strand runter.










Als ich zu Hause war, nahm ich eine heiße Dusche und dann kam S vorbei und hielt an und wir tranken ein Bier zusammen. Es ist jetzt aber fast schon zu kalt, um draußen zu sitzen. S meinte, es könne schon nochmal heiß werden, aber sicher ist es nicht.
Später ging ich nochmal zum Meer, die Windstille erlaubt wunderbare Sonnenuntergänge, das liebe ich. Wenn die mächtigen Wellen türkisfarben mit weißen Kronen an die Küste heranbranden und sind in rosa Licht getaucht, das ist beeindruckend. Am Strand stand der Kormoran und trocknete seine Flügel.




http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html Weiter